Programm
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14.01.2018 Alter: 213 Tage
Von: Lausitzer Rundschau: Margit Jahn

Mit allen Antennen arbeiten

Wie die Sinne der Kinder geschärft werden können, das wird Erziehern in Forst vermittelt.


Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen und Sehen - das sind die fünf Grundsinne, die in früheren Zeiten überlebenswichtig waren und noch immer wichtig sind. "Dazu kommen der Gleichgewichtssinn und die Intuition, auch als Bauchgefühl benannt", so Anja Gehrke-Huy. Und sie ist überzeugt: "Alle Sinne können uns täuschen, nur unser Bauchgefühl täuscht uns nie!" Den Erwachsenen gehe es oftmals verloren, bei Kindern sei dieser Sinn noch besonders ausgeprägt. Und genau an diesen Punkt setzt das Vortragsangebot "Mit allen Sinnen leben" der Volkshochschule Spree-Neiße am Wochenende an. Tagesmütter aus Forst besuchten den Kurs von Anja Gehrke-Huy, die diplomierte Sozialpädagogin ist, aber auch als Sterbe- und Trauerbegleiterin arbeitet. Inmitten des Raumes hat sie Bilder und Naturarrangements aufgebaut, die alle Sinne ansprechen.

Ivonne Woick vom "Kinderschuppen" Sacro ist wie Elke Friedrich "Trischas Bude" und Susanne Herzog "Spatzennest" Forst nicht das erste Mal bei einer Weiterbildung von Anja Gehrke-Huy. "Die Weiterbildung ist immer anschaulich, ich nehme viel mit und die Aufzeichnungen und Tipps hole ich mir öfter vor", sagt Elke Friedrich, die seit 2005 Tagesmutter in Forst ist und vier Kinder betreut. "Es ist wichtig, diese Botschaften den Kindern und auch den Eltern weitergeben zu können", ergänzt Susanne Herzog, die auch den Erfahrungsaustausch schätzt. Gerade für kleine Kinder sind die Sinne so wichtig, findet Ivonne Woick.

Zur Frage, ob die Sinneswahrnehmung heute verloren geht, sagt Anja Gehrke-Huy "Jein". Durch immer mehr gesellschaftliche Regeln und Reisüberflutungen würdenden Kindern zwar die Sinne aberzogen. Man könne diese Regeln aber umleiten und trotzdem gute Erfahrungen geben, so die Referentin; Ersatzsinne schaffen. Dafür seien Rückzugsräume wichtig. "Ich arbeite viel mit Wärzme. Wärme ist ein entspannendes Element. Es erzeugt Geborgenheit und Sicherheit, ein kuscheliges und wohliges Gefühl." Sie rät, Kinderbetten öfter zu beziehen und anzuwärmen. Bei Eingewöhnungskindern sei es von Vorteil, Sachen mitzubringen, die nach den Eltern riechen und dann zum Einschlafen auf das Kopfkissen gelegt werden. "Schon mit kleinen Dingen kann man so Urvertrauen schaffen und Kinder fühlen sich gleich viel wohler in einem fremden Umfel."

Kleine Geschichten wie "Geld oder Grille" mit nachdenklichem Inhalt, hier zum Hörsinn, werden zwischendurch immer ergänzend vorgetragen. "Im Liegen nehmen wir Geräusche um ein Vielfaches lauter wahr", eine besondere Erkenntnis. Dann heißt es, runter mit dem Lautstärkeregler.

Die Teilnehmer werden anschließend zu Gerüchen aus ihrer Kindheit befragt, denn "der Geruchssin ist der Sinn der Erinnerung". Die Teilnehmer erinnern sich an Gerüche wie duftenden Kakao oder den Zigarre rauchenden Opa. Das habe seinen Grund, da viel Gerüche mit den Großeltern verbunden werden, die gleichzeitig an eine glückliche Kindheit erinnern. Angenehme Düfte nehmen die Kinder wahr und speichern diese für immer ab, ist Anja Gehrke-Huy überzeugt. Wahrzunehmen, wie eine Regentag oder ein Herbsttag im Wald riecht, das sei wichtig fürs Wohlbefinden. Deshalb empfiehlt die Referentin nach einem anstrendenden Tag oder auch vorbeugend, sich "etwas besonderes zu gönnen", zum Beispiel ein schönes Bad mit einer Duftnote, die man nicht alltäglich benutzt. Mit solchen Ritualen könne man sich belohnen und somit eine kleine und bewusste Auszeit nehmen. Egal, ob Groß oder Klein.

"Wonach sthet mir selbst der Sinn? Was brauche ich, damit es mir gut geht?" Das seien wesentliche Fragen. "Nur wenn es mir gut geht, kann ich Freude, Lebenslust, Ruhe und Motivation weitergeben", lautet das Fazit des Tages. "Ein achtsamer Umgang mit uns und unserer Umwelt ist für unser Wohlbefinden sehr wichtig."

Am 2. Juni gibt es in der Volkshochschule einen neues Seminar zum Thema "Wie ist das mit dem Tod?"